
Ein Dia ist ein Stück Filmstreifen, auf dem mit Farben ein Foto abgelichtet ist. Ein Dia ist immer etwas richtiges, ein fertiges Medium – ganz anders als das Negativ. Dias heißen ja nicht umsonst auch Diapositiv. Hat man ein Dia, dann hat man auch gleich das richtige Bild. Man braucht keine Vorstellungskraft und keine Fantasie mehr, um das Abgelichtete vor sich zu sehen. Es ist da.
Aber ein Dia ist auch immer etwas altes, etwas, das man erst von einer Staubschicht befreien muss, um es zu Gesicht zu bekommen. Dias entsprechen vielleicht nicht mehr ganz der Zeit, aber sie verströmen einen Charme, den ein Beamer-Pixel-High-Resolution-Bild nie haben wird. Und genau das macht das Dia so besonders.
DIA Records hat es sich zur Aufgabe gemacht aus dem musikalischen Dia-Reportoire der zeitgenösischen Musik die Prunkstücke herauszusuchen, den vermeintlichen Staub abzuwischen und in einer akustischen Dia-Show zu präsentieren. Die Records kuratieren Ausstellungen ohne Bilder. Und ihre letzte Ausstellung ist großartig geworden. Petula und The Micronaut heißen die Künstler. Und obwohl beide eine ganz eigene Musik machen, harmonieren sie hervorragend zusammen auf dieser vier Titel umfassenden EP.
Petula malt mit seiner Gitarre und seiner zarten Stimme Bilder, wie sie auf ein kleines Dia kaum passen könnten. Unterstützt von kleinen digitalen Loops, die den verzerrten Klang eines Schlagzeugs erträumen lassen, wird man von say yes eingehüllt. Und dann genauso sanft auch wieder entlassen. 17811 nimmt einen mit auf einen Roadtrip jugendlichen Leichtsinns mitten durch unbekannted Landschaften. Und obwohl man tagelang unterwegs zu sein scheint, steht die Sonne immer am romantischsten Punkt am Himmel – genau dort, wo sie aufglimmt, kurz bevor sie untergeht.
The Micronaut hat zwar auch eine Gitarre. Wo Petula aber zu einem schönen Ausflug ins Grüne einlädt, erlebt man mit The Micronaut eher Abenteuer. Es klingt ein bisschen so, als ob man sich in ein Flugzeug setzen würde und in rasender Geschwindigkeit über Felsen und peitschende Wellen fliegen würde. Eigentlich egal über was, hauptsache schnell – jedenfalls denke ich mir das, während ich all i have is snow anhöre. she’s mine ist etwas ruhiger un erinnert ein wenig an Science-Fiction. An in den weiten Sphären des Universums träge vor sich hingleitende Kolosse aus Stahl, die im Licht der Sonne glänzen.
Was Dia Records machen ist, genau wie ein Foto-Dia, etwas richtiges. Etwas handfestes. Emotionen auf einen kleinen, digitalen Träger von vier Titeln eingedampft. So, wie ein Dia auch eine ganze Bildwelt auf wenigen Quadratzentimetern zu beherbergen weiß, so kommt auch auf einem Release von Dia Records weder das Emotionale, noch das Musikalische zu kurz.

