Ich habe mich aus dem Bett gequält und habe es getan: Ich bin bei 28°C raus zur Villa gefahren und habe mir mal erklären lassen was da so alles vonstatten geht, wo die Probleme liegen und vor allem wo die Reise hingehen soll und welche Hindernisse auf dem Weg zum Ziel liegen. Ich war leicht überrascht, dass trotz des regen Zuspruchs, den die Villa vom jungen Publikum sonst so erfährt, größtenteils Anwohner ihre Wissenslücken zu schließen versuchten. Dabei war es wirklich erstaunlich den Tanzsaal mal bei Tageslicht zu sehen und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Direkt links vom großen Tanzsaal schließt sich ein weiterer großer Raum an, der, unter anderem mit Hilfe von Geldern des Denkmalschutzamtes der Stadt Leipzig, als nächstes wiederhergestellt werden soll. Das ist auch bitter nötig, da, wie ihr auf dem Bild erkennen könnt, z.B. ein großer Teil des Fußbodens zerstört ist.

Wie viele sicher Wissen gab es in letzter Zeit häufiger Probleme mit Anwohnern, die sich, wie es Marion Salzmann beschrieb, trotz nicht messbarer Musik in ihrer Ruhe gestört fühlten. Ziel der Beschwerde ist es, dass dem Haus eine Sondergenemigung für zehn Außenveranstaltungen im Jahr entzogen wird. Anscheinend ist das vor wenigen Wochen auch passiert – weswegen der Sonntagstanz am letzten Wochenende in die Hacienda am Cospuden verlegt werden musste. Wegen einigen ungeklärten rechtlichen Fragen, vor allem aber, weil mit dem Schreiben des Ordnungsamtes irgendwas nicht stimmte scheint diese Anordnung vorerst nicht gültig zu sein. Im Brief an die Anwohner, den der Kunst- und Kulturförderverein Villa Hasenholz e.V. verfasst hat steht:

“Das sich im Aufbau befindende soziokulturelle Zentrum in Leipzig Leutzsch, soll Raum und Begegnungsstätte aus unterschiedlichen Bereichen von Kunst und Kultur werden. Auch und besonders für ihre Anwohner. Die Villa steht dafür baulich ideal in einer stark befahrenen Kurve (Auto = 75 dB) und ist durch das massive Gebäude des Bahnhofes Leipzig Leutzsch und eine Bahntrasse (Zug = 80dB) vom Wohngebiet getrennt. Die vom Ordnungsamt Leipzig genemigten Werte für Außenveranstaltungen liegen im Wohngebiet südlich und östlich der Villa, um die Rathenaustraße zwischen 45dB und 55dB. Diese wurden während der letzten Veranstaltung am 13. und 14. August, nachweislich und unter Mitwirkung der staatlichen Organe Ordnungsamt und Polizei gemessen und an den vorgegebenen Messpunkten im Wohngebiet hinter den Bahngleisen nicht überschritten. Selbst an der noch einzigen Wohnung im Bahnhof gegenüber der Villa stimmten die Werte mit 60 dB.”

Und trotzdem hagelt es Beschwerden, was Polizei und Ordnungsamt zum Handeln zwingt. Wie dem auch sei: Vor mir liegt der Brief, eine kleine Chronik zur Villa und auch ein Mitgliedantrag für den Förderverein. Die Mitgliedschaft in eben diesem Verein unterstützt “die Villa” maßgeblich in ihrem Bestreben das Gebäude und den Garten in einen Zustand zu versetzen, der es möglich macht die Tradition und das Potential in einem aktuellen Kontext neu zu beleben. Ich überlege wirklich, ob sich eine Mitgliedschaft vielleicht irgendwann auszahlen könnte und die 20€ im Jahr (für Studenten und Schüler) nicht gut angelegtes Geld sind. Das solltet ihr Leipziger auch tun. Zieht in Betracht eine gute Idee wie diese zu unterstützen egal ob finanziell oder durch Muskelkraft.