
Wie schon vor längerer Zeit vorgenommen, waren Jakob und ich Donnerstag Abend mal wieder in Berlin unterwegs. Nosaj Thing in Deutschland wollten wir uns nicht entgehen lassen, da kann man fast von Glück reden, dass das Melt erst Freitag begonnen hat. An besagtem Abend haben wir mal so richtig die Provinzkinder raushängen lassen und sind einigermaßen planlos durch Berlin gegondelt. Wir schlugen Angebote von leicht bekleideten Damen am Hackeschen Markt aus, freuten uns über Gondwanaland Poster an der U-Bahn Station und haben nahezu jede Frage mit “Sorry, wir kommen aus Leipzig” beantwortet. Den freundlichen Jungs von Übersee halfen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten trotzdem gerne, auch wenn der Bus nicht, wie vom Fahrer mehrmals bestätigt, über den Alexanderplatz gefahren ist. Und überhaupt: Ich prangere an. Die BVG sind streng genommen nichts für Kleinstädter wie uns. Trotz detaillierter Routenplanung war uns schon beim Einsteigen in die U-Bahn klar, dass wir das vergessen können. Der Online angezeigte Bus war schlichtweg nicht existent. Andersrum haben wir auf der Rückfahrt kaum 10 Minuten auf den Nachtbus warten müssen, was in Leipzig allenfalls mit viel Glück klappen würde.
Pünktlich 01:45 Uhr kamen wir, angezogen vom wummernden Bass, im Icon an, zogen uns Eskmo und Nosaj Thing rein und dampften dann gegen 04:00 Uhr wieder ab. Nosaj gabs leider ohne geniale Visuals, dafür spielte er viele neue Sachen, war damit aber auch nach knapp einer Stunde fertig – “Zugaben” eingeschlossen. Wieso wir schon so früh abgehauen sind? Wir mögen Hip Hop nicht so. Nicht Abends und nicht zum Tanzen Bouncen Wippen Stehen. Jedenfalls haben wir beschlossen bald wieder zu kommen und Berlin peu à peu zu erkunden. Das gestern war ein kurzer Versuch, aber Berlin ist groß und solange man es nicht eilig hat wird jede Fahrt zum Erlebnis:”Komm, lass uns einfach mal hier einsteigen!”
[...]Über die Jahre hinweg nutzte Eskmo viele verschiedene Styles und entwickelte daraus einen Mix aus Dubstep, West Coast Glitch und Minimal Techno. Nach etlichen, teils selbst veröffentlichten, Stücken, Remixen, LPs und EPs, hat er Ninja Tune als Heimat gefunden, auf welchem im Oktober letzten Jahres sein Debüt erschienen ist. Auf dem selbstbetitelten Album, das er selbst als „Full Body Of Work“ bezeichnet, verbindet er clever Dubstep und R’n’B mit elektronischen Klängen und beeindruckenden Vocal-Skills. – Nosaj Thing ist das genaue Gegenteil aller Vorurteile, die man HipHop-Musikern gegenüber haben könnte: Ein sehr zuvorkommender und zurückhaltender junger Mann. Genau genommen ist HipHop aber auch nur einer der Pfeiler, auf dem der Sound von Nosaj Thing steht. Seine Werke wurden unter anderem von Dabrye, Prefuse 73 und Boards of Canada beeinflusst. Dieser Überproduzent der nächsten Generation bevorzugt das Abstrakte, dekonstruiert und schichtet wieder auf. Ob mit schweren Bässen, aufgekratzten Störgeräuschen oder sich zerdehnenden Strukturen – alles wirkt höchst spannend und aktuell.[...] RA

