Ein bisschen stolz sind wir schon, dass Freude am Tanzen auf uns zugekommen ist und uns gefragt hat, ob wir ihre Platte vorab schon einmal probehören wollen und unseren Senf dazu abgeben wollen. Immerhin sind wir nur ein kleiner Blog in den Weiten des WWWs. So richtig glauben wollte ich es jedenfalls nicht, als Richard mir die Mail weitergeleitet hat. Jedenfalls ist sie jetzt da – unsere Hörprobe in Form einer CD. Und sie sieht nicht nur gut aus, sie klingt auch noch gut. Sehr gut sogar.

Jonas
So eine Label-Compilation macht schon was her – immerhin findet man darauf von allen Künstlern etwas wieder. Und das sind bei Freude am Tanzen erstens welche mit großem Namen und dazu kommt noch, dass bei FAT durchaus verschiedene Stile bedient werden. Finden dürfte also eigentlich jeder etwas auf dieser Scheibe. Zur Zeit geht meine Vorliebe in Richtung treibender House-Tracks. Und da werde ich hier natürlich fündig. Meine Favoriten auf der Scheibe kommen von Douglas Greed und Mathias Kaden. Nicht, dass die anderen Titel irgendwie schlechter oder langweiliger wären – aber bei den Titeln wackeln meine Ohrläppchen. Oder so. Der absolute Kracher auf der Platte ist aber von Kadebostan: ‘Mon Petit Soleil d’Algérie’ ist gleichermaßen ungewöhnlich, wie genial. Abgefahren südländische Sounds mit nem stampfenden Bass im Hintergrund. Jawoll.
Hervorzuheben ist in meinen Augen noch ‘Haftbolle’ von Robag Wruhme. Warum? Weil da geschossen wird und anscheinend jemand ausdauernd mit Löffeln gegen Gläser hauen kann. Und noch eine kleine Sonderrolle nimmt für mich ‘Noo Sun’ von Taron-Trekka ein. Weil ich mich leider nicht 100%ig mit dem Titel anfreunden kann. Ist mir ein wenig zu monoton. Ist aber nicht schlimm, weil dieses Release dennoch ein richtig gutes Teil ist!

Richard
Das Jenaer Label ‘Freude am Tanzen’ glänzt weniger durch seine große Auswahl an Künstlern, als durch die natürlich gewachsene Verbundenheit einiger weniger. Das wird ja oft betont, bei FAT, im beschaulichen Jena. Die Historie, wie in der Schule “stichwortartig” zusammengefasst und trotzdem lang, liest sich ebenfalls sehr familiär, die Anschrift, ‘Schillergässchen’, macht die Illusion perfekt. Freude am Tanzen kocht uns zum Jubiläum der 5zigsten Veröffentlichung eine Suppe allerfeinster Zutaten. So kommt es, dass ein Douglas Greed Track, der mit seinen düsteren Vocals in die Tiefen des Dancefloors entsandt wurde, direkt neben einem typischen Featuring von Marek Hemmann mit Fabian Reichelt steht. Der wiederrum landet neben Mathias Kaden, der einen extrem treibenden und hypnotischen Housetrack geformt hat, dessen Kontinuität wirklich erstaunlich ist. Daniel Stefanik macht es ähnlich und lässt einen spannungsgeladenen Housetrack auf die Menschheit los. Das was in der Trackinformation als “feine, leichte, langsame Unterwassermelodik” beschrieben wird, erinnert mich an das Verträumte einer After Hour. So verträumt und verschlafen ich am Dienstagmorgen diesem Track lausche, so erschreckt und aufgewühlt bin  ich, als plötzlich Kadebostan seine Sinfonie vom Band lässt. Mein Lieber Herr, was ist denn hier los? Dieser Track hat Ecken und Kanten, ist hart und lässt kaum Raum zur Interpretation. Das ist der Paukenschlag auf dieser Compilation, der mich in mein eigenes Kopfkino entführt. Der orientalische Einfluss beißt sich mit den Paukenschlägen und den fiesen Synthies, was den ganzen Track rauer erscheinen lässt, ohne aber die Emotionen außer Acht zu lassen, die hier mitschwingen. Tricky. Ich will nicht sagen, dass der Track danach, Haftbolle von Robag Wruhme, ehemals die eine Hälfte der Wighnomy Brothers, jetzt schlechter wäre, aber zumindest bin ich gefasster, ob der Jongliererei mit den Beats, die mir da mit einer fast schon furchteinflößenden Hyperaktivität um die Ohren gepfeffert werden. Zwischendurch gewährt Robag eine kleine Verschnaufpause um dann vollends in die Extase abzudriften und mit einem kleinen Tusch das Lied zu beenden. Fertig Aus – Ende Gelände.

Nicht ganz, denn wieder einmal läuft es anders als geplant. Zwei Tracks möchte ich unbedingt noch erwähnen. Dazu gehört Kadebostans ‘Mother cries’ als der glückliche Erste. Dieser Track ist Live mit Sicherheit eine Klasse für sich. Streicher kommen (noch) viel zu selten in der elektronischen Musik vor, obwohl hier eine schier unendliche Masse an Möglichkeit bereit steht. Ich hoffe da geht noch was. Track Nummer 2 von Sören Brodner aka Monkey Mafia, ehemals die andere Hälfte der Wighnomy Brothers, ist geradlinig, zielstrebig und vor allem kommt er ohne diese angesagten gestellten Höhepunkte aus, was ihn in jedem Falle erwähnenswert macht.

Lecker sind sicher auch die Rezepte, die leider nur der Deluxe Version der Platte beiliegen. Im Video bekomme ich direkt Lust die Schürze anzulegen und mich mit Kochutensilien zu bewaffnen.